Inccas auf der MoodleMootDACH 2026: Barcamp-Eindrücke von der ETH Zürich und unsere Top 5 Plugins

Anfang Juli waren wir mit zwei Kolleginnen und Kollegen auf der MoodleMootDACH 2026, der deutschsprachigen Moodle-Community-Konferenz. Gastgeberin war in diesem Jahr die ETH Zürich auf dem Campus Hönggerberg. Die Veranstaltung bestand aus einem zweitägigen DevCamp für die gemeinsame Entwicklungsarbeit und einem zweitägigen Barcamp, an dem wir teilgenommen haben.

Das Besondere am Barcamp-Format: Es gibt kein festes Vortragsprogramm. Die Sessions werden morgens spontan über Pitches organisiert – wer ein Thema mitbringt, stellt es kurz vor, und die Teilnehmenden entscheiden, was auf den Stundenplan kommt. Das klingt zunächst chaotisch, führt aber zu erstaunlich praxisnahen Sessions, weil genau die Themen behandelt werden, die die Community gerade tatsächlich beschäftigen.

Ein Blick in die Zukunft: Der Vortrag von Moodle-Gründer Martin Dougiamas

Ein Highlight abseits der Barcamp-Sessions war der Vortrag von Martin Dougiamas, dem Gründer von Moodle. Statt über anstehende Moodle-Funktionen zu sprechen, skizzierte er, wie Bildung in fünf bis zehn Jahren aussehen könnte: Jeder Lernende erhält einen persönlichen, lokal laufenden KI-Coach, der die eigenen Ziele und die Lerngeschichte kennt. Das LMS wird dabei weniger Oberfläche und mehr strukturierte Wissensbasis, mit der dieser Coach über Schnittstellen kommuniziert.

Bemerkenswert fanden wir vor allem zwei Punkte. Erstens sein klares Plädoyer für vertrauenswürdige, selbst kontrollierbare KI statt Anbieterbindung an große Technologiekonzerne – eine Richtung, die wir bei Inccas mit unserem KI-Tutor Incaiana auf Schweizer Servern von Anfang an verfolgen. Und zweitens seine Warnung vor einer Zukunft, in der Menschen nur noch mit KI reden: Präsenzlernen und echte Lerngemeinschaften bleiben aus seiner Sicht die besseren Lernumgebungen. Dem können wir uns nur anschließen.

Was die Moodle-Community 2026 bewegt

Über die beiden Barcamp-Tage hinweg zeichneten sich für uns drei Themenlinien ab.

KI wird konkret – und antwortet aus den eigenen Inhalten. Überraschend war, wie wenig Raum KI diesmal einnahm: Nur eine Handvoll Sessions widmete sich dem Thema, diese dafür umso konkreter. Statt allgemeiner Chatbots ging es um RAG-basierte Assistenten, die aus den tatsächlichen Kursmaterialien antworten. Die ETH Zürich etwa stellte einen KI-Assistenten als Moodle-Aktivität vor, bei dem Lehrende ankreuzen, welche Materialien in die Wissensbasis des Kurs-Bots einfließen. Begleitet wurde das durchgehend von der Frage nach Datensouveränität: selbst gehostete oder europäische Modelle statt Abhängigkeit von US-Anbietern. Dass die Lehrkraft die Kontrolle über die Wissensgrundlage behält, wird zum Standard – genau das Prinzip, das wir bei Incaiana von Anfang an umsetzen.

Kursqualität und Barrierefreiheit rücken in den Fokus. Mehrere Sessions drehten sich darum, wie sich die Qualität bestehender Kurse systematisch prüfen lässt – von automatisierten Kurs-Checks über adaptive Lernpfade mit Self-Assessment bis zur bewährten Checklist-Aktivität. Gavin Henrick von Brickfields zeigte Workshop-Materialien wie Accessibility Cards und Selbsteinschätzungsbögen, mit denen sich Barrieren im Team erlebbar machen lassen. Das Accessibility Toolkit desselben Anbieters setzen wir bereits ein, um Kundenkurse zu prüfen – die Materialien ergänzen das um die didaktische Seite und schärfen das Bewusstsein bei den Lehrenden selbst.

Nachhaltiger Moodle-Betrieb statt Data Hoarding. Die Technische Hochschule Rosenheim brachte ein Thema auf die Agenda, das im Alltag gerne untergeht: das unkontrollierte Anhäufen von Kursen, Nutzerdaten, Logfiles und veralteten Materialien. Die Folgen sind steigender Speicherbedarf, höhere Kosten, ein fehleranfälligeres System und unnötige CO²-Emissionen. Die Antwort darauf ruht auf drei Säulen: bewusstes Kursdesign, konsequentes Kurs-Lifecycle-Management und eine nachhaltige Server-Infrastruktur. Ein Denkanstoß, den wir in unsere Beratung mitnehmen.

Unsere Top 5 Plugins von der MoodleMootDACH 2026

Aus den vielen vorgestellten Werkzeugen haben wir die fünf herausgefiltert, die uns am meisten beschäftigt haben.

1. KI-Plugin-Suite rund um local_ai_manager Entwickelt für die bayerische Schulplattform ByCS als datenschutzorientierte Alternative zum KI-Subsystem von Moodle. Über den zentralen Manager wird gesteuert, welche Modelle in welchem Umfang genutzt werden dürfen – inklusive Mandantentrennung, Guthabensteuerung und Nutzungsstatistiken. Darauf setzen Werkzeuge wie ein KI-Chat, automatische Fragenerzeugung für Tests und die Generierung von Alternativtexten für Bilder auf, letzteres ein direkter Gewinn für die Barrierefreiheit. Setzt Moodle 5.0 voraus. moodle.org/plugins/local_ai_manager

2. Report Sources mit KI-Unterstützung (local_reportsources + local_sqlchat) Macht aus einer SQL-Abfrage einen interaktiven Bericht im Report Builder – mit filterbaren Spalten, Diagrammen, Export und geplantem E-Mail-Versand. Das Highlight ist die KI-Unterstützung: Mit dem Zusatz-Plugin local_sqlchat lässt sich die gewünschte Auswertung in normaler Sprache beschreiben, die passende SQL-Abfrage wird automatisch erzeugt. So können auch Nicht-Entwickler eigene Auswertungen anstoßen. Bislang nur über GitHub verfügbar, daher vorab auf einer Testinstanz prüfen. github.com/marcusgreen/local_reportsources

3. AutoMultiLang – KI-gestützte Mehrsprachigkeit (TH Lübeck) Übersetzt Kursinhalte on-demand in die Sprache der Lernenden, inklusive H5P über ein ergänzendes Translate-Plugin. Bereits erstellte Übersetzungen werden wiederverwendet, was Antwortzeiten und Energieverbrauch senkt. So entsteht aus einem einsprachig gepflegten Kurs eine mehrsprachige Lernumgebung, ohne doppelte Pflege. Für internationale Lerngruppen ein spannender Ansatz, den wir weiter beobachten. github.com/ild-thl

4. Kurs-Audit (local_adaptive_course_audit) Aus dem Projekt MIau.nrw der Ruhr-Universität Bochum. Das Plugin prüft einen Kurs auf Knopfdruck und zeigt, wo sich adaptive Elemente ergänzen ließen – etwa fehlende Bestehensgrenzen oder Aktivitäten ohne Freischaltbedingung. Es ändert nichts selbst, sondern führt Schritt für Schritt durch die Umsetzung. Läuft ab Moodle 4.5 und nutzt ausschließlich Bordmittel – ideal, um Kurse mit vorhandenen Mitteln didaktisch aufzuwerten. moodle.org/plugins/local_adaptive_course_audit

5. Course Checker (local_course_checker) Von der Fernfachhochschule Schweiz entwickelt und dort aktiv im Einsatz. Das Plugin prüft Kurseinstellungen anhand einzeln aktivierbarer Checker gegen interne Qualitätsrichtlinien und zeigt Fehlkonfigurationen in einem strukturierten Bericht. In der Session wurden Erweiterungen diskutiert, etwa die Prüfung interner Links oder der inhaltlichen Aktualität. Für alle, die viele Kurse nach einheitlichen Standards betreiben, ein echter Zeitgewinn. moodle.org/plugins/local_course_checker

Unser Fazit

Die MoodleMootDACH 2026 hat gezeigt, wohin sich die Community bewegt: KI ja, aber datenschutzbewusst, kontrollierbar und aus den eigenen Inhalten heraus. Dazu ein wachsendes Bewusstsein für Kursqualität, Barrierefreiheit und einen nachhaltigen Betrieb. Für uns bei Inccas ist das eine Bestätigung des eigenen Kurses – und zugleich ein gut gefüllter Werkzeugkasten für die kommenden Monate.

Unser Dank gilt dem Team der MoodleMootDACH und der ETH Zürich für die großartige Organisation. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen 2027 in Wien.

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