CESDER KURZINFO auf Deutsch

Das Centro de Estudios para el Desarrollo Rural, CESDER, wurde 1984 in Zautla gegründet. Ihm ging der Aufbau einer Sekundarschule in San Andrés Yahuitlalpan seit 1982 voraus, die als erstes Internat eine weiterführende, praxisorientierte Schulbildung in der Region anbot. Die Schüler kamen in stundenlangem Fußmarsch aus ihren Heimatgemeinden nach Yahuitlalpan, es bedeutet in der Sprache der Nahuas „Ort, wo die Erde wegrutscht“.

Als ich (Karin Pries) diese Schule und ihren Leiter, Gabriel Salom, 1983 das erste Mal besuchte, wähnte ich mich am Ende der Welt: eine mondartige, von Bodenerosion zerklüftete Landschaft mit kahlen Hügeln, die man nach ca. 5 Stunden Autofahrt von der Bundeshauptstadt Puebla erreichte, davon die Hälfte der Fahrtzeit über unbefestigte Wege. Die Region um Zautla im nördlichen Hochland von Puebla gehört auch heute noch mit ihren rd. 50.000 Menschen zu den armen Regionen Mexikos. Viele Menschen sind gezwungen in die USA auszuwandern. Gleichzeitig ist die Region reich an indianischen Traditionen, insbesondere der Zusammenarbeit in den Gemeinden.

Indianische Kulturtraditionen werden in der Region sehr gepflegt- hier: Quetzal-Tänzer

Seit meinem ersten Besuch haben mich die Region, die Menschen und v.a. das Projekt CESDER nicht mehr losgelassen: 1990 hatte ich die Gelegenheit, ausführlich Schüler und Lehrer des Studienzentrums zu begleiten und als Ergebnis meine Doktorarbeit zu verfassen, die einen mexikanischen nationalen Forschungspreis gewann: [Link]. Im Anschluss habe ich 5 Jahre lang als CIM Fachkraft im CESDER in der Lehrerfortbildung und Lehrplanentwicklung mitgearbeitet-eine unvergessliche Erfahrung. Seitdem unterstütze ich das CESDER mithilfe eines Freundesnetzwerks finanziell, aber auch durch die Betreuung der CESDER-Website mithilfe von INCCAS-Kollegen[verlinken: https://www.cesder-3-prodes.com/] und durch wechselseitige Besuche.

CESDER-Gründungsmitglied Irma Estela (5.v.r.) bei der Delegationsreise Hoffnung sähen, Netzwerke ernten im November 2019 durch Deutschland auf Einladung von Treemedia Köln

Ausbildung zu Fachleuten für Landentwicklung

Bis ins Jahr 2000 lag der Schwerpunkt darauf, Landjugendlichen weiterführende Bildungschancen zu eröffnen: 13 Sekundarschulen und drei gymnasiale Oberstufen, sowie ein Fachhochschulstudiengang in Landentwicklung wurden vom CESDER selbst aufgebaut und (teilweise im Internatsbetrieb) unterhalten; an die 1.000 Schüler haben davon profitiert, 250 Studenten den Fachhochschulstudiengang absolviert.

CESDER wurde bekannt für seine gemeindeorientierten Lehrpläne: Arbeiten und Lernen bilden eine Einheit, die Ausbildung wird mit der Lösung konkreter Probleme der Gemeinden verbunden.

Die Ergebnisse sind heute in den Familien und Gemeinden sichtbar. Für viele Familien hat sich die Selbstversorgung verbessert, und die ehemals kahle zerklüftete Landschaft zeigt vielerorts wieder junge Waldbestände.

Obwohl der Begriff „Entwicklung“ im Namen des CESDER steckt, geht es nicht um klassische technische Entwicklung. Vielmehr setzt sich das CESDER für eine ressourcenschonende Landwirtschaft als Lebensgrundlage für die kleinbäuerlichen Familien ein, das indigene Milpa-System beim traditionellen Maisanbau steht hier Pate. Zu einem guten menschenwürdigen Leben (vida buena y digna) gehört auch das Bewahren von traditionellen Kulturpraktiken – im landwirtschaftlichen Anbau und (Töpfer-) Handwerk wie im Zusammenleben. CESDER kämpft für das Überleben des ländlichen Raumes und seiner natürlichen Ressourcen, aktuell konkret gegen Bergbau-Großprojekte wie das der kanadischen Minengesellschaft Almaden, die bereits mit Probebohrungen nach Gold in der Nähe des CESDER den Fluss Apulco, den einzigen Fluss in der Region, kontaminiert.

Demonstration gegen Almaden Minerals aus Kanada
Natcha und Alejandro vom CESDER  (2.u.3 v.r.) bei einer Delegationsreise zu Almaden in Kanada

Aktuelle Schwerpunkte des CESDER

  • Fachhochschulstudiengang: Nachhaltige Prozesse für ein gutes Leben auf dem Land mit den Schwerpunkten: Agroökologie und Nahrungssicherheit, Soziale Kommunikation, Verwaltung sozialer Organisationen; Innovationen im Töpferhandwerk
  • Agroökologische Weiterbildung für bäuerliche Familien: Wissenschaft und Traditionswissen werden kombiniert z.B. zur bei Bodenverbesserung, Wasseraufbereitung, Aufforstung, Erhalt traditioneller Samen)
  • Agroökologische Forschung auf dem CESDER-eigenen Gelände La Cañada
  • Solidarisches Wirtschaften (Direktvermarktung, Spar- und Kreditgenossenschaften)
  • Förderung des Töpferhandwerks (ökologische Methoden, Vermarktung, Design-Innovationen)
  •  3 Masterstudiengänge der aus dem CESDER hervorgegangenen Universidad Indigena Campesina (UCI-Red): Agro-Ökologie, Narrative Praktiken und Pädagogik des Subjekts
  • Seit 2019: Promotionsstudiengang in Pädagogik des Subjekts

Die Studenten kommen aus indigenen Regionen von sieben mexikanischen Bundesstaaten. Die Masterstudiengänge und der Promotionsstudiengang sind in einer Mischung aus Präsenz- und Onlinelernen organisiert, und die Studenten sind in ihren Heimat-Gemeinden in kleine Entwicklungsprojekte eingebunden. So profitieren nicht nur sie persönlich, sondern auch ihre Gemeinden von der Ausbildung.

Abschlussfeier Diplomstudiengang auf dem Basketballfeld im CESDER

Neben den regionalen Erfolgen des CESDER haben auch viele Initiativen in ganz Mexiko davon gelernt. Eine aus CESDER hervorgegangene Expertengruppe berät zahllose staatliche und nicht-staatliche Einrichtungen in der Entwicklung von Weiterbildungsprogrammen für indigene Regionen.

Auch Nationale Preise haben die CESDER Mitglieder bereits mehrfach erhalten, hier eine Preisverleihung der Asociación Mexicana de Estudios Rurales A.C (AMER) von 2019: Alejandro, Marisa und Marco Antonio vom CESDER (3.,4.,5.v.r.) nahmen im Juni den nationalen AMER-Nachhaltigkeitspreis für „Konsolidierte Erfahrungen mit nachhaltiger Landentwicklung“ entgegen.

AMER-Nachhaltigkeitspreis für „Konsolidierte Erfahrungen mit nachhaltiger Landentwicklung“
Eine Maya-Teilnehmerin aus Mérida bei einem Workshop
 für Landfrauen im CESDER

Unser Engagement seit mehr als 35 Jahren

Seit mehr als 35 Jahren unterstützen wir CESDER von Deutschland aus in Privatinitiative. Ich danke allen, die in der Vergangenheit zur Entwicklung des CESDER beigetragen haben und freue ich mich über jede weitere Unterstützung.

Herzliche Grüße, Karin Pries

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Kontakt:

Dr. Karin Pries /INCCAS: https://inccas.de/

Kurfürstenstraße
44791 Bochum

Tel.: 0234 – 583 98 76
karin.pries@inccas.de

Deutschsprachiger Artikel zum CESDER in der Septemberausgabe der Veröffentlichung „Noticias“ der Deutsch-Mexikanischen Gesellschaft

CESDER im Internet (nur spanisch) mit ausführlichen Berichten zu den Aktivitäten: http://www.cesder-prodes.com/

Universidad Campesina Indigena (nur spanisch): http://www.ucired.org.mx/

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